CLICK HERE FOR BLOGGER TEMPLATES AND MYSPACE LAYOUTS »

Friday, July 24, 2009

ReiseLust - Die Goldene Route

Elternbesuch in China. Nachdem die beiden von einem Arbeitskollegen meines Vaters direkt mal Gänsefüße aufgetischt bekommen haben (Mami schmeckts). Wird nun natürlich nicht nur Shanghai bereist sondern auch erstmal das nähere Umland. Die beliebten Reiseziele Hangzhou, Qiandaohu (See der tausend Inseln) und Huangshan (gelben Berge) stehen zunächst auf dem Programm. Ich hatte mich schon vorbildlich um ein Hostel in Hangzhou gekümmert doch die Anreise war dann doch problematischer als erhofft, denn der benötigte Bus fuhr nicht ab Bahnhof sondern ein paar Meter entfernt ab. Klugerweise waren wir alle drei schwer bepackt (Jungs meinen natürlich immer den Computer mitbringen zu müssen) Und nach einigen gestressten und verschwitzten Minuten (um die 37 Grad bei nicht geringer Luftfeuchtigkeit), fanden wir durch Zufall unseren Bus. Das Hostel war besser als meine Eltern beim ersten Anblick erwartet hatten und dann wurde erstmal fleißig am berühmten West Lake flaniert. Wasserspiele gab es genauso wie dutzende chinesische Touristen die Fotos von verdammt gut aussehenden Ausländern machen wollten (uns). Um der Hitze zu trotzen wurde ein Bier nach dem anderen in einem Biergarten am Ufer geleert, und wurden dabei von einem Haufen Ninja-Eichhörnchen belagert die immer wieder über Bäume und Sonnenschirme hopsten um unsere Erdnüsse zu erbeuten.

From Hangzhou, Qiandaohu and Huangshan

From Hangzhou, Qiandaohu and Huangshan
From Hangzhou, Qiandaohu and Huangshan
So ruhig durfte es natürlich nicht lange bleiben und am nächsten Morgen schleifte ich meine Eltern wieder zum Busbahnhof von dem es zu dem vielgepriesenen Qiandaohu gehen sollte. Dort angekommen wurden wir dann mit ein paar essentiellen Fragen konfrontiert. Wo wird heute übernachtet und wo geht die Fähre zum Huangshan Gebirge. Das Touristendock von dem wir wussten, dass von dort die Fähre sicherlich nicht abfährt, war schnell gefunden, doch wo war die richtige Werft? Zum nächsten Holiday Inn geglitten (auf einer nicht zu übersehenden Schweißspur) wurde der Concierge dort dann ausgefragt. Er umkringelte uns auf der Visitenkarte des Hotels dann auch relativ schnell das gesuchte Dock, doch seine Kollegin meinte es gäbe auch noch ein Neues. Die drei deutschen Bratwürste sind dann zu Fuß durch die halbe Stadt geschwitzt (Auf der Visitenkarte sah das alles viel kleiner aus) um festzustellen, dass das alte Dock tatsächlich seit geraumer Zeit weder Schiffe noch Kunden gesehen hatte. Danach gönnten wir uns ein Taxi zum neuen Dock. Gott sei Dank, denn dieses war doch um einiges außerhalb der Stadt gelegen. In der Nähe des Docks fanden wir auch noch ein annehmbares und relativ leeres Hostel (Ich hatte das gesamte 6er Dorm für mich alleine), von wo aus wir dann früh genug für die 6.30h Fähre aufbrechen konnten. Das Hostel war in einem neueren Ferienresort für chinesische Massentouristen gelegen und Abends gabs dann dort auch schön Programm. Wasserschlacht. Thema: Alle auf den Ausländer/mich (zumindest fühlte ich mich so, aber meine Mutter meinte, auch ein paar Chinesen seien nass geworden)
From Hangzhou, Qiandaohu and Huangshan
From Hangzhou, Qiandaohu and Huangshan

In der Frühe ging es dann mit Locals auf der Fähre über dem See. Neben mir saß eine Chinesin mit kunstfertig bemalten Fingernägeln und dem übelsten Bauernmaulwerk was man sich vorstellen kann. Bei den nicht wenigen Gelegenheiten, bei denen ich ihren Telefongesprächen folgen konnte hagelte es nur so Fäkalwörter und Drohungen. Die Fähre hielt zwischendurch mal an um einen toten Fisch aus dem Wasser zu angeln, der sofort zerhackt, gekocht und von den Chinesen gegessen wurde. Der See an sich nicht unschön, hielt mich jedoch nicht wach, und nach 5 Stunden Schifffahrt waren meine Beine in einem schönem krebsrot gefärbt. Machte aber auch nix weiter aus, denn es sollten ja nur Stunden von Treppensteigen mit schweren Gepäck folgen (ohne Frühstück oder sonstiges Essen), bei denen meinen kurze Hose stets über den Sonnenbrand schrabbelte. Der Ausblick von den Huangshan war zwar sehr schön, der Zeitpunkt jedoch ein wenig ungünstig, da man im Hochsommer die Nebelmeere die die hagelförmigen Bergspitzen umhüllen und die berühmte und oft in traditionellen Malereien widergegebene Landschaft ausmachen, verpasst. Somit sollte man lieber im Frühjahr oder Herbst sich auf die gelben Berge wagen. Kälter ist es dann auch. Außerdem geht die alte Ostseilbahn erst ab 12 Uhr. Sollte man bedenken, wenn man früh aufbrechen will. Wir standen also ratlos um 10 Uhr am Lift und standen vor der Wahl: 2 Stunden auf die Seilbahn warten, oder die 800 Höhenmeter Treppen hinuntergehen. Als echte Nicht-Pussies entschieden wir uns natürlich für letzteres. Wer glaubt dreieinhalb Stunden Treppen hinaufsteigen sei anstrengend, dem sei versichert, dass der Muskelkater resultierend aus nur zwei Stunden Treppen hinuntersteigen um einiges fieser ist. Immerhin vor der ersten Seilbahn kam ich unten an, und danach ging es wieder in den Bus nach Shanghai. Statt sechs Stunden Fahrt wurden es siebeneinhalb, dank unzähliger Pausen, seltsamer Begebenheiten an Autobahnstationen, und nichtschließender Bustüren die die Maximalgeschwindigkeit auf 50 km/h limitieren (Ich fühlte mich wie in dem weit aus langweiligeren Nachfolger von Speed!: Slow!)
From Hangzhou, Qiandaohu and Huangshan
From Hangzhou, Qiandaohu and Huangshan
From Hangzhou, Qiandaohu and Huangshan

In Shanghai wurde sich erstmal so wenig bewegt wie möglich, und man wurde wieder von Papis Kollegen eingeladen. Zweit höchstes Gebäude in Shanghai bei genialer Aussicht auf einen der besten Sonnenuntergänge seit Wochen, erstklassiges Grillrestaurant mit Krebs, Garnelen, Austern und bestem Rindersteak. Ahhh Home Sweet Home.

Thursday, July 9, 2009

Gourmetküche China

Chinesen sind ja bekannt für ihren speziellen Geschmack. Das in Europa üblicherweise mit China in Verbindung gebrachte Hundefleisch gibts jedoch fast ausschließlich in koreanischen Restaurants. Und ich hab schon mehr als einen Chinesen getroffen, der sich weigerte so etwas auch nur zu probieren.Steffi hatte jedoch auch schon von Eis mit Bohnen erzählt. Dass Erbseneis hab ich bisher nocht nicht probiert, aber sogar die Trinkpäckchen hier sehn auch anders aus.

From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai
Von ihren kubischen Vettern aus Deutschland sind diese meilenweit entfernt. Es gibt weder Strohhalm noch Deckel und hat man es einmal geöffnet so muss man es in einem mal leer trinken, denn hinstellen kann man dieses Wunderwerk der chinesischen Trinktütchen-Kunst auch nicht. Aber immerhin gibt es tolle Geschmacksrichtungen wie "Fruit of the Water".
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai


Aber natürlich ist man nicht zaghaft und versucht auch mal (mehr oder weniger bewusst) eingelegte Kuheingeweide oder die allseits beliebten Hühnerfüße.
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai

Jemand hatte mir schon in Deutschland erzählt, dass die Chinesen die Dinger wie Chips essen. Das sollte man jedoch nicht zu wörtlich nehmen. Ich dachte nämlich, man isst einfach das gesamte Ding mitsamt Knochen. Tut man nicht. Nach dem ersten Zeh wusste ich es dann besser und lutschte vorschriftsmäßig Haut und Fleisch vom Fußknochen. Hört sich eklig an, aber wenn man nicht drüber nachdenkt ist es sogar fast lecker.

Als wir letztes Jahr in Nanjing waren stand auf der Speisekarte unseres Lieblingsrestaurants unter anderem Ochsenfrosch, leider konnte ich ihn nie probieren, da er entweder ausverkauft war, oder sich Sitznachbarn vehement gegen das Bestellen von Frosch aussprachen. Nun bin ich aber in Shanghai und neben Pizza, McDonalds und KFC kann man hier auch bei fast jedem anderen Restaurant bestellen. Als wir dann Thai bestellten war für mich die große Chance gekommen. Frog with Asian Herbs.
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai

In der runden Plastikschüssel gabs dann diverse Fleischstücke die in ihrer Gesamtheit wohl mal einen stattlichen Frosch ausgemacht haben.
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai
Neben kleinen Rippen konnte man vor allem die Froschhändchen gruselig gut erkennen.
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai
Der Geschmack gleicht klischeemäßig tatsächlich Hühnchenfeisch, ist jedoch teilweise auch fischähnlich.
Der Frosch an sich hat offenbar relativ viele Knochen in seinem kleinen schwabbeligen Körper versteckt und so knabberte ich gut über eine Stunde an dem Vieh rum.
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai

Und wer schonmal in China bei Pizzahut war hat sich vielleicht auch über den viel zu süßen Pizzateig geärgert. Aber das ist nichts im Vergleich zu dieser Pizza:
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai

Pizza mit M&Ms (auf den Geschmack muss ich wohl nicht näher eingehen)

Friday, July 3, 2009

Lang lebe die Prokrastination

Nach langer Zeit schaffe ich es doch tatsächlich nochmal was zu schreiben. Fehlende Blogeinträge in letzter Zeit sind vor allem der Mats-typischen Faulheit zu verdanken, aber Zeit hat man auch in China nicht mehr als anderswo auf der Welt. Zudem ist es zwar außerordentlich bequem jeden Tag 2-3mal auswärts essen gehen zu können, aber es beansprucht doch auch einiges an Zeit. Nebenher geht man noch ein bisschen zur Uni, vergeudet Zeit auf Facebook mit unsinnigen Tests (deren Ergebnisse man dann veröffentlicht, obwohl sie niemand interessieren) und mit Freunden will man sich ja auch noch treffen. Aber nun habe ich alle Prüfungen erfolgreich hinter mich gebracht und langsam wird meine Zeit wieder mehr. Ich werde jetzt sicher nicht nochmal alles im kleinsten Detail berichten was mir tolles in den letzten Wochen passiert ist, aber langweilig war es sicher nicht. Es gab Gratis-Eis dank Fernsehaufnahme für ein neues Eiskaffee, und wir waren bei einem Grafikdesigner-Contest mit anschließender Afterparty.

From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai
Da war dann noch das beschämende Fußballspiel Deutschland gegen China von dem auch schon Chrisi berichtet hat. Als wäre es nicht schon dämlich genug die Vize-Europa/Weltmeister dabei zu beobachten wie sie von einer drittklassigen Mannschaft vorgeführt werden, gab es im Stadion noch nichtmal Bier zu kaufen. Rausgehen um welches zu kaufen durfte man natürlich auch nicht. Marcel und Ich sind also ums halbe Stadion geirrt auf der Suche nach Bier. Ein Pulk anderer deutscher Fans war auch schon dabei mit den Sicherheitsleuten zu verhandeln. Wir haben uns natürlich dazu gesellt und auf Chinesisch versichert, dass wir als Deutsche gar nicht in der Lage seien von Bier zu kotzen, und dass jegliche Ängste vor Randale unbegründet seien. Nach 10 Minuten hatten die Wärter Erbarmen mit uns und ließen einen Deutschen raus der dann für alle Bier geholt hat. Marcel und Ich haben uns direkt ein paar Dosen geschnappt und sind abgehauen bevor jemand seine Meinung ändern konnte. Als wir wieder kamen waren die anderen jedoch nicht mehr auf ihren Plätzen und hatten sich einfach mal um einige Preisklassen nach unten gemogelt. Die Sicherheitskräfte wollten uns jedoch nicht zu unseren Freunden lassen und so täuschte Marcel vor er würde am Telefon die Kommentare der Platzanweiser nicht mitbekommen und drängelte sich dreist an ihnen vorbei. Ein paar Minuten wendete ich den gleichen Trick an und wir saßen mit unserem Gratis Bier in der ersten Reihe im Stadion. Nun konnten wir sogar Gesichter erkennen, was dem Spiel jedoch auch nicht mehr half.
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai

Ein paar Wochen später kam auch Miriam an und zeitgleich nahm Max unsere Couch in Beschlag.
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai
Das bedeutete natürlich erstmal Pflichtparty mit Max und innerhalb von 2 Nächten war ich in mehr als 6 verschiedenen Kneipen. Max hatte einige Deutsche per studivz-Gruppe zusammengetrommelt und mit denen zusammen wurde dann Shanghai unsicher gemacht. (Unter anderen die Mural Bar, wo sich eine Engländerin mit einem chinesischen Breakdancer in einem Dance-off gemessen haben.)
Außerdem waren wir noch bei den Asienmeisterschaften von Ultimate-Frisbee. Ein Freund von Lesley nahm daran für eine Mannschaft von Beijing teil und somit fuhren wir auf ein weit entferntes Feld irgendwo außerhalb in Pudong (Ich wäre sicher nie auf die Idee gekommen bei nem Frisbee-Tunier vorbeizuschauen). Die Mannschaften hatten schon 2 Tage gespielt, offensichtlich auch nicht unwenig Bier getrunken und waren alle ziemlich gut gelaunt. Wir kamen noch rechtzeitig an um das Finale zwischen Shanghai und Singapur zu beobachten, und die Heimmannschaft konnte dann bei dieser Mischung zwischen Frisbee, Rugby und Basketball den Sieg erringen (Einer der Verlierer war so enttäuscht, dass er ein bisschen weinen musste). Das ganze sah sogar nach mehr Spaß aus als man bei "Frisbee spielen" normalerweise erwartet. Die Philippinische Mannschaft war mitsamt philippinischem B-Promi angereist und hatte zumindest beim Promillespiegel die Nase vorn. Ein Mädel, was ich auf 15 Jahre geschätzt hätte (aber angeblich 24 war) war besonderes ausgelassen und forderte ein anderes Mädchen namens "Baby Girl" zu verschiedenen Wettstreiten heraus. Einmal ein simples Wettrennen, ein anderes Mal wurde sich in Mitten der grölenden Menge nach Muay Thai Art gepflegt geprügelt. Also wenn alle Frisbee Turniere so aussehen ist das ganze doch weit unNERDiger als erwartet.
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai
From Mein liebstes Ferienerlebnis: Shanghai

Wednesday, May 27, 2009

ReiseLust - Völlerei und Shufuness in Xiamen

Letzte Woche reiste ich, wie bereits angekündigt, nach Xiamen. Kenny, Lesley und ich durften bei Lesleys Großeltern übernachten. Das versprach natürlich interessant zu werden und alleine mit meinen beiden Philippino-Chinesischen Freunden lernte ich zwar kaum Chinesisch dazu, dafür aber Tagalog und ein paar Wörter in Fukien, dem Dialekt der Region.

From Bienvenidos a Xiamen
Es ging schon früh morgens los und nach einem kurzen Flug kamen wir donnerstagvormittags in Xiamen an. Natürlich wurde erstmal mit den Großeltern gegessen, und insgesamt war ich vom Hungertod die gesamte Dauer weit entfernt. Ob wir nun mit Kennys Freunden zum All-you-can-eat DimSun essen gegangen sind, oder von Lesleys Onkel in ein feines Restaurant mit Meerblick eingeladen worden sind, stets war mein Bauch nach dem Mittagessen so gefüllt, dass ich Angst hatte mein Bauchnabel möge sich nach außen umstülpen.
From Bienvenidos a Xiamen
Und da Xiamen doch einiges kleiner und chinesischer als Shanghai ist, war ich als Ausländer mal wieder auf Superstar-Status. Alte Männer sprechen mich im Bus auf mein tolles Aussehen an, Jugendliche begrüßen mich freundlich auf der Straße mit "Hello, Welcome to Xiamen" und insgesamt kann kaum ein Passant seine Augen von mir losreißen. Aber vielleicht hatte ich auch nur was Grünes zwischen den Zähnen hängen. Der Strand musste natürlich zu Fuß und mit Tridem erkundet werden, wobei letzteres beinahe zu dem Tod dreier Auslandsstudenten geführt hätte, da dass Fehlen einer Bremse erst im Moment einer rasanten Abfahrt Richtung Auto bemerkt wurde. Gott sei Dank hat der Fahrer des Volkswagens uns gesehen und ist uns natürlich nicht ausgewichen. Nur um Haaresbreite das Auto verfehlt, spielte sich eine ähnliche Szene nochmal mit einem Polizeibuggy ab. Mit Bremse wäre das ganze aber wahrscheinlich weitaus langweiliger gewesen. Der Strand an sich erinnert etwas an Nord/Mittelitalien und sieht man von herumschwimmenden Verpackungen ab, so ist er auch ziemlich schön. Kenny und Lesley meinten aber,dass das Wasser ziemlich dreckig sei. Es sei ja nicht mal blau! Aber wer nur die weißen Sandstrände der Philippinen kennt, muss wahrscheinlich nahezu jeden anderen Strand für dreckig halten. Die Chinesen haben sich auf jedenfall nicht beeindrucken lassen und sind dort relativ zahlreich schwimmen gegangen, was doch ziemlich unchinesisch ist. Viele (vor allem Mädchen) können noch nicht einmal schwimmen. Aber zumindest in Xiamen wird gebadet und die Männer trauen sich sogar ohne Sonnenschirm und T-Shirt am Strand zu sitzen. Ich hatte leider meine lange Jeans an und konnte zu meinen Bedauern leider nicht im Meer schwimmen, und so habe ich nur meine Beine (und unbeabsichtigter Weise natürlich auch die Hose) im Wasser abgekühlt.
From Bienvenidos a Xiamen
From Bienvenidos a Xiamen
From Bienvenidos a Xiamen

Aber als wahrer Baron lässt man sich ja nicht von seiner Mission abbringen und so ging es am nächsten Tag zu den Hot Springs. Man wusste jedoch nicht genau ob es nun wirklich Hot Springs waren oder nur ein normales Schwimmbad, und satte 118 Rmb sollte der Spaß kosten. 13 Euro für ein Schwimmbad? Ganz schön happig dachte ich mir, aber ich wollte unbedingt nochmal schwimmen. Nach mehr als einer Stunde in Bus& Taxi entpuppte sich das ganze jedoch als verdammt gute Entscheidung. Wir wurden zunächst in die geräumigen und geschmackvollen Umkleiden begleitet wo in unseren Spints Handtuch und Schlappen bereits auf uns warteten, bevor wie hinaus in den Außenbereich gingen wurden Kenny und ich jedoch von Sauna, Dampfbad und Kältekammer verführt und als wir schließlich draußen ankamen wartete Lesley bereits ungeduldig auf uns. Die Anlage war relativ hübsch und erinnerte mehr an Hawaii als an China. An jeder Ecke gab es Gratis-Tee und die Servicekräfte waren ausnahmslos überfreundlich. Unter den hundert Pools konnte man vom normalen Swimming Pool bis Massagestrahlbecken & und Quellen mit Tee oder Limonenaroma dort alles finden. Und als wir abends um 10 dann uns schließlich seufzend aus einem heissen Becken mit Rosenblütenblättern zwangen, wünschten wir uns wir hätten ein Hotelzimmer bei den Quellen gebucht um so jede Minute auszukosten.
From Bienvenidos a Xiamen

Kenny musste leider seine eigenen Großeltern besuchen, die in einem Nest ein paar Stunden Busfahrt entfernt von Xiamen wohnen. Und da wir nun nur noch chinesische Enkeltochter + verdächtig aussehender Europäer waren, wurde uns auch eine Ausgangsfrist erteilt. Wir sollten doch bitte bis 22:30 wieder zu Hausen sein. Im Glauben man würde sich dankbar und vertrauensvoll zeigen bei Einhalten dieser für über 22 Jährige etwas ungewohnten Uhrzeit, kamen wir auch tatsächlich pünktlich nach Hause. Aber ich wurde meiner Naivität gestraft und für den nächsten Tag hieß es dann 21:30. Wahrscheinlich ist es unnötig zu erwähnen, dass wir es nicht ganz geschafft haben pünktlich zu kommen, und sind erst um elf bei Ang-kong und A-ma eingetrudelt. Das Drama war groß, die geliebte Enkeltochter kommt so spät mit einem Ausländer heim?! Skandalös! Danach durfte sich Lesley erstmal eine Standpredigt anhören, was sie denn so erwarten würde, wenn sie sich auf mich einlässt. Nach der Heirat würde sie natürlich mit mir nach Deutschland ziehen und ihre arme Mutter im Stich lassen. Ihre genauso bedauernswerte Schwester müsse dann ganz alleine für die Mutter sorgen. Wie egoistisch von Lesley. Und über kurz oder lang würde ich mich dann ja eh von ihr trennen und sie wäre dann in Deutschland mit unseren Kindern total verloren. Würde ich ihr etwas antun, könne man nicht mal einfach so eben nach Deutschland fliegen und sie retten.
Lesley darf sich jetzt wegen mir auf allen kommenden Familienfeiern die Geschichte anhören wie sie um elf mit einem Europäer nach Hause kam. Die Situation war natürlich auch relativ peinlich für mich, aber immerhin kann ich dies zu meinen interkulturellen Erfahrungen hinzufügen, von denen ich wohl noch eine ganze Menge ähnlicher Art erleben werden darf. Um die ganze Geschichte zu verdrängen sind wir natürlich zunächst zum Strand und wollten später zur Massage. Letzteres erwies sich als schwerer als erwartet und nachdem wir eine Stunde stehend in einem völlig überfüllten Bus im Nachmittagsverkehrschaos bei 34 C° verbracht hatten, Bus gewechselt Straßen gesucht usw. kamen wir letzten Endes nach 2-3h Suche bei der Massage an. Nach 20h kostete die Ganzkörpermassage 168 Yuan. Glatter Wucher, dachte ich mir und die Lust auf eine Massage verging schlagartig. Stattdessen haben wir dann in einem angebliche Vietnamesischen Restaurant (In Englisch stand Vietnamesisch, aber in Chinesisch Thai) Thailändisch gegessen und die Massage auf später verschoben.
Natürlich mussten wir noch den buddhistischen Tempel besuchen und den dazugehörigen Berg besteigen, sowie die Nachbarinsel mit ihrer großen Statue vom Helden Zheng Chenggong. Im Tempelteich trieben tatsächliche Nazischildkröten ihr Unwesen. Irgendein frecher Mönch hatte Meister Wugui doch tatsächlich Hakenkreuze auf den Panzer gepinselt.
From Bienvenidos a Xiamen
From Bienvenidos a Xiamen
From Bienvenidos a Xiamen
From Bienvenidos a Xiamen
From Bienvenidos a Xiamen
From Bienvenidos a Xiamen
From Bienvenidos a Xiamen
From Bienvenidos a Xiamen
Danach hatten wir uns die Massage auch wirklich verdient und wir suchten eine andere Adresse auf. Das komplette Gegenteil von dem vorherigen Massageplatz war hier der Fall, eine schäbig aussehende Bude lockte hier mit deutlich geringeren Preisen, aber der äußere Anschein machte nicht unbedingt Lust auf mehr. Also wieder auf zum andern Laden und diesmal wurde zum Tagespreis von 145 Yuan die Ganzkörpermassage gebucht. Und es stellte sich mal wieder als gute Entscheidung heraus. Der Massagetempel ähnelte eher einem Hotel und wir wurden zunächst in ein eigenes Zimmer mit 2 Riesenbetten und Fernseher geleitet. Dann wurde uns ein Gratis Abendessen serviert und als wir fertig waren, gab es eine wunderbare Massage für mehr als 2 Stunden lang. Die Masseurinnen hatten ihr Handwerk drauf und neben Verspannungen noch meine Rückenwirbel zu Recht gerückt. Danach wurden Obstplatten serviert, und mein Körper war so entspannt wie noch nie zuvor.
From Bienvenidos a Xiamen
From Bienvenidos a Xiamen


PS: Wie jeder Schreiberling der was auf sich hält schreibe ich im Moment aus der Zensur heraus, denn man hat sich entschieden, dass blogspot.com für Chinesen gesperrt interessanter ist. Aber als waschechter Untergrundautor habe ich natürlich meine Wege mich dem fiesen Kontrollaparat zu entziehen und die Zensur zu umgehen. Sollte ich gefasst werden, würde eine 20 Meter hohe Goldstatue völlig ausreichen um meiner heldenhaften Taten würdig zu gedenken.

Wednesday, May 13, 2009

Kurztrip nach Europa

Juhuu, morgen geht’s spontanerweise für ein paar Tage nach Xiamen, und somit auch mal höchste Zeit nochmal was von mir hören zu lassen. Vorletzte Woche Mittwoch wollte keiner von uns direkt nach dem Unterricht nach Hause und so sind wir stattdessen in ein Künstlerviertel Shanghais (Taikang Lu) gefahren. Durch eine Seitengasse geht es von einer unscheinbaren Straße wie es sie in Shanghai hunderte gibt in ein Viertel was eher an Europa erinnert als an Asien. Ich wurde das Gefühl nicht los, ich spazierte durch eine Seitenstraße in Amsterdam oder Kopenhagen. Kleine Ateliers reihen sich an Cafés, Gelateria und Pizzerien. Vom Lärm der Großstadt ist nichts zu hören und stattdessen wird man von einem Beo mit einem gekrächzten "Nihao" begrüßt. Gegen Fotos schien der Frechdachs jedoch eine ausgeprägte Abneigung zu haben und bewegte sich jedesmal wenn ich den Auslöser drückte. Während ich mir in einem Cafe ein schönes Erdinger gönnte beobachtete Kenny die anderen Gäste. Anfangs meinte ich noch es wären einfach Künstler und die müssen so aussehen, doch letztendlich musste ich ihm zustimmen, dass die Herren am Nachbartisch "Genossen" sind.

From Picknick im Moloch
From Picknick im Moloch
From Picknick im Moloch
Als wir so an unseren Riesenpizzen knabberten, kam eine neue Idee auf. Statt Donnerstag sich mit Vorlesungen rumzuplagen, wollten wir ein Picknick im Century Park veranstalten. Freitag war eh frei und niemand erwartete von uns am Donnerstag tatsächlich zum Unterricht zu erscheinen. Ich kümmerte mich um Kuchen, während die anderen Sandwiches, Knabbereien, Getränke, und Früchte ohne Ende organisierten. Am Donnerstagmittag fuhren wir dann mit der U-Bahn nach Pudong und ich konnte es kaum erwarten mich über die Leckereien herzumachen. Der Park ist relativ groß mit einem See in der Mitte, der zu meinem Bedauern leider nicht zum Schwimmen geeignet sein soll. Auf einem Hügel halb im Schatten halb in der Sonne (die Westler in der Sonne, die Asiaten im Schatten) haben wir dann unsere Picknickdecke ausgebreitet und den ganzen Tag nichts anderes gemacht als zu faulenzen und zu essen. In chinesischen Parks kann man oft Brautpaare beobachten die durch Blumenbeete stapfen auf der Suche nach der perfekten Fotokulisse. Es kommt wie es kommen musste und die Ausländer werden herüber gewunken für ein paar Fotos mit den Turteltauben. Aber wir haben auch selbst fotografiert was das Zeug hält und Menschenpyramiden gebaut, was leider nicht die verpasste Wushu Stunde vollständig ersetzen konnte. Und während wir ich so im Gras lag erinnerte ich mich an die Sommer in Konstanz am See und in Hennef an der Sieg. Freitag war also für mich wie ein Ausflug nach Deutschland (Um das Deutschland-Feeling zu komplettieren gab’s später noch eine deutsche Spezialität: Döner beim Türken) Und um auch die kulturellen Aspekt einer Europareise nicht zu vernachlässigen haben Jan und ich uns noch ein paar Klassiker zum Lesen gekauft (Jan: Reise zum Mittelpunk der Erde, die Schatzinsel und Die Reisen des Marco Polo/ ich leistete mir The Picture of Dorian Gray und die drei Musketiere)
From Picknick im Moloch
From Picknick im Moloch
From Picknick im Moloch

Eine Woche später ging die Reise in den Westen mit unserem Vermieter weiter, der uns auf ein paar Bier und Knabbereien in den Paulaner Biergarten eingeladen hatte. In Form von einem schönen älteren Gebäude in der French Concession in einem hübschen Garten werden hier reiche Chinesen und Expats auf drei Stockwerken zum vergnügten Bratwurstessen und Biertrinken eingeladen. Wir beobachteten wie Chinesen zu DJ Ötzi, interpretiert von einer philippinischen Band, tanzen und unterhalten uns mit unserm Landlord Steven über Finanzkrise, Jugend und unterschiedliche Lebensumstände. So sind seiner Ansicht nach die Schwarzen in Amerika Schuld an der Krise (" The black people in America, they dont have money, but they buy houses, its crazy!") Natürlich werden jegliche Versuche zumindest einen Teil der Rechnung zu übernehmen abgeschmettert, was angesichts von Bierpreisen von 7,50 € pro Halbliterglas Weizen nicht allzu viel Bedauern unsererseits ausgelöst hat.